Wie geht IT an Schulen? - Admin/"Netzwerkberater" und wie viele Anrechnungsstunden sind fair? Alternative Strukturen?

Den folgenden Thread habe ich auf Twitter geschrieben, und wurde gebeten, ihn doch auch hier aufzunehmen:
https://twitter.com/digiSimRo/status/1389138182533488643?s=20

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Ich freue mich auch hier über das Thema zu diskutieren.
Ich denke, dass ist nicht nur ein Thema der Anrechnungsstunden, sondern insgesamt auch der Strukturen.
Ich freue mich auf eure Meinung.

Hier der Thread am Stück, dennoch gestückelt, da von Twitter übernommen:

Wie in Baden-Württembergs Schulen die IT-Administratoren(„Netzwerkberater“) an die Wand gefahren werden:
Ein sehr langer Thread :arrow_down:, der versucht, das Thema mal detailliert zu beleuchten, geprägt von einem kleinen Funken Hoffnung, dass sich was ändert: #twlz #eduBW

In Baden-Württemberg teilen sich Land und Schulträger die Aufgaben an Schulen, so auch (theoretisch) in der IT. Die „Digitalisierungshinweise für Schulen in öffentlicher Trägerschaft“ von Juli 2019 sollen regeln, wer für was zuständig ist:

Dort findet sich unter Punkt 7.5 folgende Tabelle, wobei die meisten Punkte unter „Land“ entweder die Schulleitung oder die „Netzwerkberater“ vor Ort übernehmen. Viele Kommunen können oder wollen ihren Aufgaben nicht nachkommen, daher landen die oft auch an der Schule.

„Netzwerkberater“ sind normale Lehrkräfte, und heißen so, weil die eigentliche Idee ist, dass sie das Kollegium im Umgang mit dem Netzwerk beraten. An den meisten Schulen nennt man sie jedoch „Admin“, denn das trifft es meist besser. (Disclaimer: ich bin unser Admin)

Für ihre Tätigkeit bekommen sie Anrechnungsstunden, sie müssen also weniger unterrichten.

Die Details regelt ein Erlass des KM vom 23.6.1998 (!!!), der seitdem nicht mehr verändert wurde.

Da er schon oft online gesucht und nicht gefunden wurde, hier aus dem GEW-Jahrbuch.

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Dieser Erlass sagt also, dass die Schule 1 Stunde aus ihrem allgemeinen Entlastungskontingent nehmen soll, ab 25 Computern gibt es eine weitere und ab 51 Computern 2 weitere Stunden. Dort endet die Skala. Viele Admins bekommen 2 oder 3 Anrechnungsstunden.

Sie unterrichten also z.B. eine Klasse 5 weniger in Geographie (2 Stunden), kümmern sich dafür um „das Netzwerk“ an ihrer Schule. Was das umfasst, schildere ich mal im Folgenden aus meiner persönlichen Erfahrung:

Wir sind eine sehr kleine Schule mit nur ca. 320 Schülerinnen und knapp 40 Kolleginnen. Für diese kümmere ich mich um Server, WLAN im ganzen Gebäude, Projektionsmöglichkeiten, 57 feste PCs, ca. 20 Notebooks, 8 Drucker, und 220 schuleigene iPads.

Wir arbeiten mit moodle (:heart: @belwue), E-Mails (@belwue) + Verteiler , @ThreemaApp .work als Messenger sowie vor Ort mit der paedML Windows des @lmz_bw sowie @derschulmanager . Es müssen jeweils Accounts gepflegt, neue User, Klassen und Kurse angelegt, alte gelöscht werden.

User vergessen (oft!) Passwörter, haben Fragen, Wünsche und Probleme und wenden sich an den Admin. Um Standardprobleme abzupuffern betreiben wir einen Moodle-Kurs „Hilfe“ für Schülerinnen, und eine Wissensdatenbank mit Ticketsystem bei @freshdesk für Kolleginnen.

Bei mehr als 300 Geräten geht mal was kaputt, dann kümmern wir uns um Ersatz, Reparatur, Abwicklung mit Versicherung, Neueinrichtung…

Natürlich begleiten wir neue Kolleginnen und Schülerinnen, sorgen für internen Austausch und Fortbildung und sind für Fragen immer da.

Wir verwalten die iPads mit einem ProfileManager vor Ort, ziehen aber gerade um zu @JamfSoftware school, kaufen und verwalten Apps, haben zusätzlich zu Papier digitale Schulbücher von verschiedenen Verlagen, welche auch Accounts brauchen und zugeordnet werden müssen.

Für all das sind vom @KM_BW 3 Stunden weniger Unterricht vorgesehen. Das ist natürlich unrealistisch. Hinweise darauf werden damit beantwortet, dass einige der Aufgaben ja Aufgabe des Schulträgers seien.

Das stimmt. Jedoch würde die Zeit auch dann (bei weitem) nicht reichen, wenn man „nur“ die Aufgaben des „Netzwerkberaters“ machen würde, und zum anderen ist das mit dem Schulträger oft unrealistisch.

Es gibt Vorzeigeschulträger: Das sind oft große Städte mit Stadtmedienzentren, welche die Economies of Scale nutzen können. Beim Rest bleiben viele der Aufgaben an Schulen hängen, da Schulträger die Aufgaben nicht leisten können, z.B. weil sie gar keine IT Abteilung haben.

Gerne wird auch auf die „Zusatz-Verwaltungsvereinbarung „Administration“ zum DigitalPakt“ verwiesen. https://www.bmbf.de/files/2020-11-03_ZV_Administration_web%20Anhang%20PM%20165.pdf
Dort sind in der Tat Gelder für IT-Angestellte der Schulträger oder Dienstleister vorgesehen.

Problem ist jedoch, dass IT-Stellen oft nicht besetzt werden können (in der Wirtschaft fehlen auch ITler, und da gibt es viel mehr Geld), und auch an gute Dienstleister zu kommen ist – insbesondere auf dem Land und als kleine Schule – eine große Herausforderung.

Selbst wenn man einen guten Dienstleister hat, so ist natürlich dennoch viel Koordination und Absprache mit diesem erforderlich, was auch Zeit bedarf.

Manche Schulen versuchen ihre Admins durch andere Stunden zu entlasten, da allen klar ist, dass die 2-3 Stunden bei weitem nicht reichen. Das geht dann aber auf Kosten anderer, wichtiger Bereiche (AGs, Pool-Stunden).

In der Pandemie waren und sind Admins extrem belastet, viele gehen gerade an der Aufgabenflut kaputt. Dass die Schulen nun bei @belwue rausfliegen, und auch MS365 wieder mal völlig offen ist, hilft nicht unbedingt.

Viele Admins halten das Ganze nur aus, weil sie viel Wertschätzung an der Schule erfahren. Die nicht vorhandene Wertschätzung „von oben“ frustriert jedoch und führt zu Resignation.

Viele würden am liebsten „hinschmeißen“, tun das aber nicht, aus Verantwortung der Schule, den Kolleginnen und den Schülerinnen gegenüber.

Die Aufgabe abgeben ist oft kaum möglich. Wer will sich das antun, und wen will man wie dazu überreden?

Kurzum: Die Admins werden an die Wand gefahren, und mit ihnen die Schulen. Das Land will nicht mehr Stunden stellen, da man meint, das sei alles Aufgabe der Kommunen, welche es aber oft nicht leisten können oder wollen.

Auch wenn der Thread lang ist, habe ich mich kurz gefasst. Es gäbe noch 1000 mehr Aspekte. Sollte sich jemand „aus dem System“ mit mir drüber unterhalten wollen, gerne per DM anschreiben. An Außenstehende kann ich keine weiteren Infos geben.

Zuletzt: Mir geht es nicht primär darum, für mich mehr Stunden rauszuschlagen. Ich mache auch so weiter, bis es irgendwann nicht mehr geht: Wegen meinen Schülerinnen, meinen Kolleginnen, meiner Schulleitung, meiner Schule! Aber insgesamt geht es so nicht mehr lange gut!

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Da isser ja wieder :slight_smile: Willkommen Simon :slight_smile:

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Ich versuche mir immer wieder ein Arbeitszeitkonto zu führen - nicht für die Schulleitung, sondern für mich. Wenn mein Kontingent Zurechnungsstunden für diese Woche ausgeschöpft sind, dann fällt es mir leichter mal was liegen zu lassen. Dann dauert etwas Mal eben ein wenig länger

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Ja, ich denke da muss jede*r selbst den richtigen Weg finden.
Nichtsdestotrotz müssten die Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Laut Koalitionsvertrag solle es das ja nun, und da wird ja auch im KM mit den kommunalen Spitzenverbänden schon ne Weile dran gearbeitet, aber meiner Meinung nach muss man bis dahin eben auch eine Übergangslösung finden!

Ich war doch gar nie weg, nur halt hier nicht sehr aktiv!

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